Urlaub
Wie jeder Arbeitnehmer haben auch Auszubildende Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Der gesetzliche Mindesturlaub ist nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz bzw. - für Erwachsene - nach dem Bundesurlaubsgesetz geregelt. Wichtig: Die gesetzlichen Regelungen gelten nur dann, wenn in geltenden Tarifverträgen keine anderen Regelungen getroffen werden. Tarifregelungen für Erwachsene dürfen sogar zum Nachteil der Auszubildenden vom Bundesurlaubsgesetz abweichen. Für jugendliche Auszubildende darf dagegen in tariflichen Regelungen keine Verschlechterung vereinbart werden.
  • Gesetzlicher Urlaubsanspruch für Jugendliche
    Für Jugendliche ist der Urlaub nach dem Lebensalter gestaffelt. Er beträgt jährlich
    • mindestens 30 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre ist
    • mindestens 27 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre ist
    • mindestens 25 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre ist
  • Gesetzlicher Urlaubsanspruch für Erwachsene
    Wer zu Beginn des Kalenderjahres schon 18 Jahre alt ist, erhält Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz. Dieser beträgt mindestens 24 Werktage.
Der gesetzliche Mindesturlaub wird sowohl im Jugendarbeitsschutzgesetz als auch im Bundesurlaubsgesetz in Werktagen angegeben. Werktage sind alle Tage auÃ?er Sonntag und gesetzliche Feiertage, also auch Samstage. Der Urlaub kann aber auch nach Arbeitstagen (i.d.R. Montag bis Freitag) vereinbart werden.

Folgende Grundsätze sind beim Urlaubsanspruch von Auszubildenden noch zu beachten:
  • Im Berufsausbildungsvertrag muss die konkrete Dauer des Urlaubs niedergelegt werden. Verbesserungen des o.g. Mindesturlaubs sind durch tarifliche, betriebliche oder einzelvertragliche Regelungen möglich.
  • Die Festlegung des Urlaubszeitpunkts ist Sache des Ausbildungsbetriebs. Die Wünsche des Auszubildenden sollten berücksichtigt werden, wenn nicht dringende betriebliche Belange oder vorrangige Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer dem entgegenstehen.
  • Berufsschülern sollte der Urlaub in der Zeit der Berufsschulferien gegeben werden. Sofern der Urlaub nicht in den Ferien gegeben werden kann, ist jeder Berufsschultag, der in der Urlaubszeit fällt, durch einen zusätzlichen Urlaubstag auszugleichen.
  • Urlaubsanspruch entsteht in jedem Kalenderjahr. Der volle Urlaubsanspruch wird erstmalig nach sechsmonatigem Bestehen des Ausbildungsverhältnisses erworben. Für jeden vollen Monat des Bestehens des Ausbildungsverhältnisses gibt es bei nicht erfüllter Wartezeit Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs. Das gleiche gilt bei Ausscheiden aus dem Ausbildungsverhältnis nach erfüllter Wartezeit in der ersten Hälfte eines Kalenderjahres.
Verdienstaussichten
Ausbildungsvergütungen sind meist tariflich festgelegt, variieren aber stark nach Beruf, Branche und Region. Die Einkommenschancen nach der Ausbildung sind noch viel schwieriger anzugeben, weil Alter, Berufserfahrung und natürlich das Verhandlungsgeschick beim Einstellungsgespräch entscheidend sind. Was monatlich übrig bleibt, hängt dann noch mal von der Steuerklasse ab. Die meisten Auszubildenden zahlen keine Steuern, müssen aber Beiträge für die Sozialversicherung abführen (werden vom Arbeitgeber jeden Monat automatisch abgezogen). Einige Betriebe zahlen auÃ?erdem Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder ein 13. Monatsgehalt. Tipp: Lassen Sie Berufe, die in der Ausbildung nicht so gut bezahlt werden, nicht gleich links liegen. Aufstiegs- und spätere Einkommenschancen sind viel entscheidender.

Vergütung
Jeder Auszubildende hat Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung. Das Berufsbildungsgesetz spricht von einer "angemessenen" Vergütung und legt fest, dass diese nach dem Lebensalter des Auszubildenden so zu bemessen ist, dass sie mit fortschreitender Berufsausbildung, mindestens aber jährlich, ansteigt (§ 17 Abs. 1 BBiG). Die genaue Festlegung der Ausbildungsvergütung ist Sache des Ausbildenden und des Auszubildenden. Dabei sind folgende Grundsätze zu beachten.
  • Wann ist eine Vergütung "angemessen"?
    Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist eine Vergütung angemessen, wenn sie für den Lebensunterhalt des Auszubildenden eine fühlbare Unterstützung bildet und zugleich eine Mindestentlohnung für die Leistung eines Auszubildenden darstellt.
  • Welche Richtwerte sind zu beachten?
    • Sind Ausbildender und Auszubildender an einen Tarifvertrag gebunden, weil sie Mitglied eines Arbeitgeberverbandes bzw. einer Gewerkschaft sind, so darf die im Tarif festgelegte Vergütung nicht unterschritten werden. Ist ein Tarifvertrag vom Sozialministerium für allgemeinverbindlich erklärt worden, so sind die Tarifsätze für alle Unternehmen des Wirtschaftszweiges verbindlich.
    • Auskünfte über die Höhe der Tarife und die Allgemeinverbindlichkeit erteilt das Niedersächsische Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales.
    • Hinweise geben auch die Ausbildungsberater der IHK Fulda.
    • Wenn keine Tarifgebundenheit besteht, kann bei der Vergütung in begrenztem Umfang auch nach unten abgewichen werden. In der Rechtssprechung wird davon ausgegangen, dass bei nichttarifgebundenen Vertragsparteien die vertraglich vereinbarte Ausbildungsvergütung nicht mehr angemessen ist, wenn sie die tarifliche Vergütungen um mehr als 20 % unterschreitet. Fehlt es an einer tariflichen Regelung als MaÃ?stab, so kann auf den Inhalt eines fachverwandten Tarifs zurückgegriffen werden. Ã?ber Richtwerte und Bezugstarife informieren unsere Ausbildungsberater im Einzelfall.
  • Welche Sonderfälle gibt es?
    • Bei einer Ausbildung im Verbund mehrerer betrieblicher Ausbildungsstätten sind die für die jeweilige Ausbildungsstätte maÃ?geblichen tariflichen Vergütungssätze Richtschnur für eine angemessene Ausbildungsvergütung. Die Vergütung muss dann evtl. in der Vertragsniederschrift für die jeweilige Verweildauer - erforderlichenfalls in unterschiedlicher Höhe - festgelegt werden.
    • Beschäftigt ein als gemeinnützig anerkannter Verein unter Inanspruchnahme von Förderprogrammen Auszubildende, die in verschiedenen Betrieben die praktische Ausbildung erhalten, so ist für die Bestimmung der Angemessenheit der Vergütung die Ausbildungsvergütung maÃ?geblich, wie sie im Durchschnitt in diesen Betrieben gezahlt wird. Die gezahlte Vergütung ist noch als angemessen anzusehen, wenn sie nicht unter 60 % der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung liegt.
    • Bei einer Berufsausbildung in überbetrieblichen oder auÃ?erbetrieblichen Bildungseinrichtungen muss dagegen eine Vergütung gewährt werden, die nicht mehr als 20 Prozent unter der einschlägigen Tarifvereinbarung liegen darf.
    • Wird die Ausbildung zu 100 % von der öffentlichen Hand finanziert, können auch Vergütungen noch angemessen sein, die erheblich unter den tariflichen Ausbildungsvergütungen der Ausbildungsbetriebe liegen.
  • Sind Sachleistungen anrechenbar?
    Sachleistungen des Ausbildungsbetriebs können in Höhe der vom Gesetzgeber festgesetzten Sachbezugswerte auf die Ausbildungsvergütung angerechnet werden. Die Vergütung darf nur nicht völlig in Sachleistungen umgewandelt werden. Mindestens 25 Prozent der Bruttovergütung sind in Geldleistung auszubezahlen.
Verkürzung der Lehre
Wenn zu erwarten ist, dass ein Azubi das Ausbildungsziel schneller als üblich (2 - 3 1/2 Jahre) erreicht, kann die Lehre - z.B. bei Abitur - auf zwei- bis zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Bei einem Abiturientenanteil von bis zu 50 Prozent kommt das gar nicht so selten vor. Wer während der Ausbildung überdurchschnittliche Leistungen zeigt, kann vor dem vereinbarten Ausbildungsende zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn auch Ausbilder und Berufsschule dieser Meinung sind. Falls es dann doch nicht klappt und man die Prüfung nicht besteht, ist nichts verloren: beim nächsten Prüfungstermin kann man wiederholen.

Versicherungsnachweise
Die Versicherungsnachweise müssen bei der Krankenkasse angefordert und bei dem Ausbildungsbetrieb abgeben werden.

Zeugnisse
Nach der Abschlussprüfung erhalten die Auszubildenden drei Zeugnisse:
1. Das Prüfungszeugnis der IHK enthält die Noten und Punkte aus dem schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil der Abschlussprüfung, die Gesamtnote und die Gesamtpunktzahl.
2. Das Zeugnis des Ausbildungsbetriebes enthält die Beurteilung durch Ausbilder und Ausbilderinnen und führt besondere Kenntnisse, überbetriebliche Lehrgänge und Verhalten/Leistung im Betrieb auf.
3. Das Abschlusszeugnis der Berufsschule führt alle Noten des letzten Schuljahres auf. Dieses Zeugnis brauchen Sie für den Besuch einer weiterführenden Schule.
Der Arbeitgeber muss seinen Azubi "wohlwollend" beurteilen, darf also keine "Bemerkungen" machen, die eine Bewerbung bei einem anderen Betrieb unnötig erschweren.
Zuständige Stelle
Die zuständige Stelle führt das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse für anerkannte Ausbildungsberufe, in dem die Berufsausbildungsverträge registriert werden. AuÃ?erdem ist sie zuständig für die Organisation und Durchführung der Zwischen- und Abschlussprüfungen sowie für die Ã?berwachung der ordnungsgemäÃ?en Ausbildung. Zuständige Stellen sind nach dem Berufsbildungsgesetz die Selbstverwaltungsorganisationen der Wirtschaft und der freien Berufe wie Industrie- und Handels-, Handwerks-, Landwirtschafts-, Ã?rzte-, Rechtsanwalts- und Steuerberaterkammern.

Zur StartseiteGestaltung & Umsetzung im Rahmen eines Auszubildenden-Projektes unter Leitung der Firma COM.POSiTUM GmbH

Eintritt frei
So 10.30 – 17.00 Uhr
Mo 8.00 – 16.00 Uhr